NACHGEFRAGT: Was feiert die Kirche an Fronleichnam?

NACHGEFRAGT: Was feiert die Kirche an Fronleichnam?
Wenn Menschen an einem sommerlichen Tag dunkle Anzüge oder schwere Festgewänder tragen und singend durch die Straßen ziehen, dann wird das manchem komisch vorkommen. Kein Wunder, denn immer mehr Menschen haben den Draht zur Kirche verloren.
 
katholisch-im-rhein-kreis-neuss.de hat einmal nachgefragt, welche Bedeutung dieses Fest hat. Die Antwort gab - bereits im Jahr 2007 - Pfarrer Herbert Ullmann, bis 2009 in der Pfarreiengemeinschaft Neuss-Mitte tätig und nun Pastor in Mettmann:
 
Das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ – wie es offiziell heißt – ist ein doppeltes Bekenntnisfest:
1. Das Bekenntnis zur Gegenwart Jesu Christi im Allerheiligsten Altarssakrament, der Hl. Eucharistie.
2. Das Bekenntnis zu Christus und seiner Kirche durch die Prozession mit dem Eucharistischen Herrn durch die Straßen und Häuser, in denen Menschen, Kinder Gottes, leben und oft auch arbeiten.

Diese Form der Frömmigkeit hat sich vor über 700 Jahren entwickelt, ausgehend von der hl. Mystikerin Juliane von Lüttich. Der aus dem Mittelhochdeutschen stammende Begriff „Fronleichnam“ bedeutet wörtlich: „Lebendiger Leib des Herrn“.
Das Fest wurde in Italien erstmalig 1264 gefeiert, mit Prozession wohl erstmals in Köln 1279, ehe es 1317 die päpstliche Bestätigung erhielt.
Bittprozessionen spielten über Jahrhunderte in der Kirche eine große Rolle und wurden am Fronleichnamstag aufgegriffen und in die Form von oft sehr prunkvollen Umzügen gekleidet, teilweise mit Figurengruppen, Bildern, Blumenteppichen am Wegrand. Der sog. „Himmel“ als Baldachin (in der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung den Königen und Kaisern vorbehalten) ehrt Christus, den König des Himmels und der Erde.

Heute ist sicher der Gedanke des pilgernden Gottesvolkes in der Kraft des in ihm gegenwärtigen Christus zentral geworden. Das Wegmotiv des Aufbruchs durch die Zeit und in die Welt hinein durchzieht die Hl. Schrift und lässt uns unser Leben in der Nachfolge Jesu Christi als Pilgerweg erfahren. Mit Abraham und Moses, mit dem Volk Israel, mit den Hl. Drei Königen, den Emmaus Jüngern und vor allem mit dem Herrn selbst brechen wir immer wieder auf, erkennen, welche Würde uns verbindet und reihen uns letztlich ein in die große Völkerwallfahrt zum Himmlischen Jerusalem.

Mit unserem Selbstverständnis als Getaufte verbindet sich das Bekenntnis zur Hl. Eucharistie, wie Augustinus es einmal formulierte: „Empfangt, was ihr seid, und seid, was ihr empfangt: Leib Christi.“