Sorge um katholische Dreikönigenschule

Schüler der Dreikönigenschule haben ihren Wunsch auf einen Stoffbeutel gemalt
Schüler der Dreikönigenschule haben ihren Wunsch auf einen Stoffbeutel gemalt
Im Jahr des 90. Geburtstags der Neusser Dreikönigenschule ist nicht allen in der Schulgemeinde zum Feiern zumute. Noch immer bangt die Grundschule, die zu den wenigen verbliebenen katholischen Bekenntnisgrundschulen in der Quirinusstadt zählt, um die Zukunft ihrer Unterbringung. Und daran hängt ein Stück weit auch der Fortbestand der Schule.
 
Im Jahr 2012 war das angestammte Gebäude der Schule an der Weberstraße wegen einer Belastung durch den Schadstoff PCB (Polychlorbiphenyl) geschlossen worden. Die Schule fand daraufhin in den Räumlichkeiten des Berufsschulzentrums im Hammfeld eine neue – vorübergehende – Heimat. Die Gegebenheiten vor Ort werden als gut beschrieben, unter anderem kann die Schule eine große und moderne Turnhalle nutzen und hat einen riesigen Schulhof für die Pausen und die Nachmittagsbetreuung zur Verfügung.
 
Doch die Schule wie auch die Kirchengemeinde Hl. Dreikönige wünschen sich eine Rückkehr in das Dreikönigenviertel. „Hier leben wir mit unseren Familien, hier können unsere Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad die Schule erreichen, hier wohnen ihre Freunde und hier können wir vor Ort noch intensiver am Gemeindeleben teilnehmen!“ heißt es aus der Elternschaft. Die Schule und die Pfarre sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden. Wöchentliche Schulgottesdienste, die Teilnahme an der Cornelius-Wallfahrt oder der Martinszug sind nur einige Beispiele. Schulleiterin Sandra Marott weiß, dass das Bekenntnis für viele Eltern bei der Schulwahl eine Rolle spielt.
Nachdem in den ersten beiden Jahrgängen nach dem Umzug nur eine Eingangsklasse gebildet werden konnte, liegen die Anmeldezahlen seit 2015 stabil bei rund 40 Kindern, damit können zwei erste Klassen gebildet werden. Das führt Marott auch darauf zurück, dass die Eltern weiter für „ihre“ Schule eintreten. Doch nach wie vor hängt die bauliche Situation wie ein Damoklesschwert über der Schule; niemand weiß, wie lange die betroffenen Familien bereit sind, das Provisorium in Kauf zu nehmen. Dabei verheißt die Bevölkerungsstruktur des Dreikönigenviertels der Schule eigentlich eine rosige Zukunft: Diverse Neubaugebiete locken junge Familien an, Kitas können die Nachfrage nach Betreuungsplätzen kaum bedienen, Kindergottesdienste in der großen Dreikönigenkirche sind beinahe überfüllt.
 
Ob und wann ein Neubau errichtet wird, ist aber nach wie vor ungewiss. „Heute, im vierten Jahr des Provisoriums, ist auch nicht ansatzweise erkennbar, welche Überlegungen es bei den Verantwortlichen der Stadt zum Thema Sanierung oder Neubau der Dreikönigenschule am alten Standort gibt“, beklagen Eltern. Nicht wenige von ihnen gewannen übrigens schon vor vier Jahren den Eindruck, dass die katholische Bekenntnisschule bewusst unattraktiv gemacht und auf Dauer geschlossen werden solle.
Auch Bürgermeister Reiner Breuer, der die Schule kürzlich besuchte, wollte keine Zusage machen. Das klang einmal anders: vor vier Jahren hatte er als Vorsitzender der SPD-Fraktion noch Abriss und Neubau am alten Standort gefordert. Aktuelle Pläne aus dem Rathaus sorgen indes für weitere Verunsicherung: Dort gibt es Überlegungen, die Comenius-Sekundarschule an der Weberstraße in eine Gesamtschule mit sechs Klassen pro Jahrgang umzuwandeln. Dafür müsste dort, wo die alte Dreikönigenschule steht, ein Neubau errichtet werden. Ob und wo dann noch Platz für einen Neubau der Grundschule ist, darüber macht Schuldezernentin Dr. Christiane Zangs keine Angaben.
 
So bleibt der Dreikönigenschule vorerst nur Hoffen und Bangen. „Nichts hält so lange wie ein Provisorium …“ hört man in der Elternschaft schon ein Murren.