St.-Augustinus-Gruppe: Projekt für wohnungslose Frauen besteht seit einem Jahr

Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen freuen sich über ein erfolgreiches erstes Jahr des Projekts für wohnungslose Frauen in Neuss.

Die elf Bewohnerinnen des Wohnprojekts wohnungslose Frauen im Neusser Augustinusquartier haben Grund zu feiern: Anlass ist der erste Geburtstag des Projektes, das in Zusammenarbeit der Behindertenhilfe der St.-Augustinus-Gruppe und der Stadt Neuss Frauen in Notsituationen ein sicheres Zuhause bietet.

„Gäbe es dieses Angebot nicht, dann würde ich jetzt auf der Straße leben“, sagt Anita, eine junge Frau, die bereits seit elf Monaten in der Einrichtung lebt. „Hier habe ich mit der Unterstützung der Betreuerinnen wieder auf die Beine gefunden. Ich war am Ende, hatte Schulden, durfte meine Kinder nicht sehen, war nicht krankenversichert, das hat sich mit dem Einzug alles geändert. Jetzt habe ich wieder regelmäßigen Kontakt zu meinen Kindern, bin gut versorgt und habe immer eine Ansprechpartnerin.“

Sechs Betreuerinnen kümmern sich um die Frauen, die in der Einrichtung wohnen. Das Haus ist hell und freundlich, die Zimmer sind individuell und gemütlich eingerichtet, das Zusammenleben ähnelt einer großen Wohngemeinschaft, in der die Bewohnerinnen unter Anleitung aber mit sehr vielen Freiheiten leben. „Unser Ziel ist es, die Frauen wieder so weit zu stabilisieren, dass sie selbständig leben, eine eigene Wohnung beziehen, vielleicht sogar ihre Kinder zu sich holen und eine regelmäßige Arbeit aufnehmen können“, erklärt Constanze Schackert, Mitarbeiterin des Ambulant Betreuten Wohnens der Behindertenhilfe.

Die Frauen die in der Einrichtung leben sind aus unterschiedlichen Gründen von Wohnungslosigkeit bedroht und in Not geraten. „Drogen-, oder Alkoholsucht, häusliche Gewalt oder psychische Krankheiten kommen sehr häufig vor. Wir haben es wirklich mit zum Teil sehr beklemmenden Einzelschicksalen zu tun. Und jetzt nach einem Jahr freuen wir uns zu sehen, welche Fortschritte die Frauen hier machen“, sagt Schackert.

Nach zwei Jahren müssen die Frauen aus der Einrichtung ausziehen und auf eigenen Beinen stehen, denn die Finanzierung dieser Maßnahme ist für jede Empfängerin befristet. „Uns ist es aber besonders wichtig, die Frauen auch nach ihrem Auszug aus unserer Einrichtung zu unterstützen und eine lückenlose Nachsorge zu gewährleisten“, erklärt Fee Kerstein, Leiterin des Ambulant Betreuten Wohnen der Behindertenhilfe.

„Die Betreuerinnen, die die Bewohnerinnen hier haben, begleiten sie auch nach ihrem Auszug noch, unterstützen und helfen damit ein selbständiges Leben gelingen kann.“ Dem selbständigen Leben blicken die meisten Frauen erwartungsvoll entgegen. „Ich fühle mich hier sehr wohl, ich habe Freunde und ein richtiges Zuhause gefunden“, sagt Anita. „Ich freue mich aber auch darauf, endlich wieder ein eigenständiges Leben zu führen.“