„Zeichen der Trauer über die Opfer“: Pfarrer verhüllt Kreuze in den Kirchen

07.02.2022

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Aus: Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln

Kreuze verhüllt: Klaus Koltermann, leitender Pfarrer im Dormagener Norden. Foto: TZ

Pfarrer Klaus Koltermann möchte „ein Signal setzen“. Der Leiter des Seelsorgebereichs Dormagen-Nord hat in „seinen“ Kirchen in Nievenheim, Delrath, Gohr, Straberg, Delhoven und Stürzelberg die Kreuze mit schwarzen Tüchern verhüllen lassen. Koltermann reagiert damit auf die Ergebnisse des Münchener Missbrauchsgutachtens, die er als „erschreckend“ empfindet und die für ihn „eine neue Dimension“ des Skandals darstellen.

„Botschaft und Antlitz Jesu sind durch den Missbrauch verdunkelt. Die schwarzen Tücher sollen zeigen, dass Christus um die Opfer sexueller Gewalt in der Kirche trauert und sich schämt für die Täter und Vertuscher“, so der Seelsorger, der im Vorjahr einen von vielen Menschen begleiteten Protestmarsch nach Köln unternommen und damit große mediale Aufmerksamkeit erhalten hat. „Der kreuzigte Christus zeigt sich solidarisch mit allen, denen Gewalt angetan worden ist“, betont Koltermann, der die Verhüllung bis Karneval plant.

Unterstützung erhält er vom Pfarrgemeinderat. „Das Verhüllen der Kreuze ist ein wunderbares Zeichen der Solidarität mit den Betroffenen und ein Zeichen, dass es in der Kirche noch Menschen gibt, die die Liebe Gottes ernst nehmen“, so die Vorsitzende Birgit Linz-Radermacher. Auch die Reforminitiative Maria 2.0 lobte Koltermanns Aktion. Im Dormagener Norden gab es im vergangenen Jahr mit 206 exakt doppelt so viele Kirchenaustritte wie 2020.