„Nichts gegen den Willen der Schwestern“
16.06.2026
Interview mit Dr. Peter Fabritz, Apostolischer Kommissar, und Ulf Hohenhaus, Vorsitzender des Freundeskreises, über die Zukunft des Benediktinerinnen-Klosters Kreitz in Holzheim.
Herr Dr. Fabritz, Herr Hohenhaus, das über 125 Jahre alte Kloster Kreitz soll wegen Nachwuchsmangels der Ordensschwestern aufgegeben werden. Was geschieht mit den fünf letzten Nonnen an diesem traditionsträchtigen Ort?
Fabritz: Zunächst: Mit den Schwestern geschieht gar nichts. Die Schwestern haben Stabilität auf diesen Ort Kreitz hin versprochen. Das bedeutet: Gegen ihren Willen kann nichts geschehen. Dennoch befinden sich zwei der fünf Schwestern aufgrund von schwerer Krankheit bei einer Schwester und hohem Alter (verbunden mit starker Demenz) bei einer anderen Schwester in Alten- beziehungsweise Pflegeheimen. Für die in Kreitz verbliebenen Schwestern stellt sich die Frage, inwieweit ein monastisches Leben noch möglich ist oder ob dies an einem anderen Ort in Zukunft besser gelebt werden kann.
Hohenhaus: Die Zukunft der Schwestern befindet sich im Spannungsfeld zwischen dem nur zu verständlichen Wunsch, wie bisher selbständig im alten Umfeld weiterzuleben, und der Frage, ob dies die Schwestern nicht überfordert. Der Freundeskreis ist Herrn Dr. Fabritz dankbar für sein Bekenntnis zum Grundsatz der Stabilitas. Damit stellt er erstmalig klar: Nichts wird gegen den Willen der Schwestern entschieden.
Das Anwesen gilt planungsrechtlich als Kloster und landwirtschaftliches Anwesen und geht an das Erzbistum Köln über. Welche Zukunftsperspektiven erblicken Sie im Moment für die Liegenschaft?
Fabritz: Meine vorrangige Aufgabe besteht in der Sorge für die und mit den Schwestern. Sollte später für das Kloster eine Zukunftsperspektive gefunden worden sein, muss das Dikasterium für die Orden in Rom seine Zustimmung erteilen.
Hohenhaus: Jetzt geht es darum, für die Schwestern die für sie beste Lösung zu finden. Die Frage nach der Zukunft des Klosters stellt sich erst danach. Allerdings gibt es dazu erste Überlegungen. Sie zielen darauf, das Kloster auch in Zukunft als Ort des Glaubens zu erhalten.
Gibt es zumindest konkrete Pläne, die Klosterkirche zu erhalten und einer anderen Nutzung zuzuführen?
Fabritz: Ich sehe, dass es eine feste Gottesdienstgemeinde in Kreitz gibt. Insofern würde ich es begrüßen, dass zumindest die Gottesdienste in der Klosterkirche erhalten bleiben. Das kann aber nur gemeinsam mit den in Neuss tätigen Priestern gelingen, von denen viele seit Jahren täglich zur Feier der heiligen Messe kommen.
Hohenhaus: Ich glaube nicht nur für den Freundeskreis, sondern für die gesamte Holzheimer Gemeinde zu sprechen, wenn ich sage: Das wäre mehr als wünschenswert.
Auf dem Klostergelände liegt der Friedhof der Benediktinerinnen. Wie soll er erhalten beziehungsweise gepflegt werden?
Fabritz: Die Pflege des Friedhofs der Schwestern muss gewährleistet sein, und ich sehe sie als Pflicht an.
Hohenhaus: Dem ist nichts hinzuzufügen!
Wie kann das Gedenken an das segensreiche Wirken der Ordensfrauen in Holzheim in die Zukunft getragen werden?
Fabritz: Wenn das Kloster als Gebäude, in welcher veränderten Form auch immer, erhalten bleibt, wird damit auch das Gedenken an die lange Geschichte der Benediktinerinnen in Kreitz verbunden bleiben.
Hohenhaus: Das ist im Hinblick auf das Gebäude richtig. Zudem sind die Schwestern im Kloster Kreitz seit mehr als 125 Jahren Teil der Neusser Historie. Um an sie zu erinnern, kann man auf den Gedanken kommen, ihr Archiv etwa dem Neusser Stadtarchiv zuzuführen.